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Freitag, 7. November 2014

Nudeln, Linsen, Speck und Zwiebeln



Nein, das ist kein Pastateller, sondern das ist ein Nudelgericht.
Peter G. fragt nach traditionellen, regionalen Nudelgerichten für sein Blogevent „deutsches Nudelgericht“. Gut da tue ich mich schwer hier im Ruhrgebiet, was ist hier schon regionale Küche? Ich habe da keine Antwort und auch keine Antwort für ein Nudelgericht.
In einer Facebook - Gruppe kam dann die Feststellung das es Nudeln hier doch erst seit „Miracoli“ gäbe. Da muss ich dann aber wieder sprechen. Ich bin 60 und kann mich an meine Kindheit noch insofern erinnern als das es immer wieder auch Nudeln gab.
Da mich das Thema interessierte habe ich dann meine Mutter befragt und die ist jetzt schon 86 Jahre alt. Sie berichtet das in ihrer Kindheit Ihre Mutter selber Bandnudeln gemacht hätte. Mit Mehl, Wasser und Salz und ab und an wohl auch mit einem Ei. Der Teig sei auf einem großen Tisch ausgerollt worden, hätte dann einige Zeit gelegen und sei dann in Streifen geschnitten worden. Auf meine Frage was es dazu gab: „Butter und etwas Salz“. Fleisch gab es in der Woche nicht und meine Oma wahr wohl froh das sie ihrer Familie auch in der Woche Butter geben konnte.
Mein Vater berichtet ähnliches, nur gab dort zu den Nudeln in Fett geröstete Semmelbrösel, das wars.
Gut, das ist für ein Nudelgericht nach heutigen Maßstäben arg karg.

Nudeln Linsen Speck und Zwiebeln
So habe ich versucht mir ein Nudelgericht mit eher regionalen Zutaten auszudenken. Der Speck gehört dazu, weil meine Mutter früher schon immer erzählt hat, das ihre Familie ab und an von den örtlichen Bauern ein Seite Speck bekommen habe, wenn mein Großvater, der Schreiner war für die Bauern wieder was hergestellt hatte.
Ich weiss das meine Großeltern selbst im hohen Alter noch einen Nutzgarten bewirtschaftet haben, daran kann ich mich sogar noch erinnern. Und Linsen gab es bei ihnen auch. So habe ich also Bandnudeln gemacht, mit Linsen, Speck und Zwiebeln, dazu Liebstöckel, der hier immer noch wächst, wenn auch eher langsam.


Zutaten:
100 g  Ruchmehl ( Weizenmehl 1050 )
50 g Mehl 405
1 Ei
2 Eigelb
100 g Berglinsen
1 frisches Lorbeerblatt
30 g Möhre, sehr fein gewürfelt
100 ml Kalbsfond
3 Stängel Liebstöckel
1 El Schweineschmalz
160 g durchwachsener, geräucherter Speck
1 milde Zwiebel
Salz


Zubereitung:
Fü den Nudelteig die Mehlsorten gut miteinander vermengen. Ich habe das etwas kräftiger Mehl 1050 genommen weil meine Mutter noch sagte das die Nudeln ihre Mutter damals gar nicht so hell und sauber ausschauten wie die heutigen Nudeln. Da passt das Mehl ganz gut weil es eben keine hellen Nudeln ergibt, ausserdem hat es mehr Geschmack, meine ich.
Also das Mehl vermengen, eine Prise Salz zugeben und das Ei und die beiden Eigelb, alles gut vermischen, entweder mit der Hand durchkneten oder die Maschine nehmen. Den Teig zu einer Kugel formen und wenigstens eine Stunde durchziehen lassen. Ich habe den fast 24 Stunden ziehen lassen. Es ergab einen ziemlich weichen Teig, so das man ordentlich Mehl zum bestäuben benötigt.
Den Teig mit der Nudelmaschine dünn ausrollen und dann in schmale Bandnudeln schneiden , oder durch den entsprechenden Aufsatz der Maschine ziehen.
Die Nudeln etwa 45 Minuten trocknen lassen.

Die Linsen in einem Topf mit Wasser und dem Lorbeerblatt etwa 25 Minuten köcheln lassen. Etwa 5 Minuten vor dem ende die wirklich fein ( linsenfein) gewürfelten Möhren zugeben und mit garen. Alles abschütten und abschrecken.
Das Lorbeerblatt entfernen.
Den Kalbsfond in einer kleinen Pfannen auf etwa 1/3 einkochen.

Das Schmalz in einer Pfanne bei wenig Hitze zergehen lassen. Zwischenzeitlich den Speck in Streifen schneiden und im Schmalz auslassen und leicht anbraten. Die Zwiebel schälen und längs aufschneiden. Die Stücke auseinander zupfen. Wenn der Speck Farbe angenommen hat die Zwiebel zugeben und bei geringer Hitze etwa 5 Minuten leicht mit garen. Sie sollte nicht mehr knackig sein doch noch etwa Biss haben.

Nudeln Linsen Speck und Zwiebeln

Reichlich Salzwasser in einem Topf erhitzen und die Nudelstreifen darin etwa 3 Minuten bissfest garen, abschütten.

Anrichten:
Den Liebstöckel putzen waschen und die Blätter von den Stielen zupfen, einige schönere Blätter beiseite legen, den Rest fein hacken. Den Kalbsfond in der Pfanne aufkochen, die Linsen mit den Liebstöckel darin 3 Minuten unter rühren erwärmen, dann die Nudeln zugeben, umrühren und 2 Minute ziehen lassen.
Die Linsen - Nudeln auf 2 Teller verteilen, noch ein bis 2 El Linsen darüber geben. Die Speck - Zwiebel - Mischung darüber verteilen und mit den Liebstöckelblättern dekorieren, sofort servieren.
Blogevent Pasta regional

Kommentare:

  1. Wunderbar, Wolfgang!
    Gefällt mir sehr gut, Dein Nudelgericht. Da ich annähernd so alt bin wie Du, kann ich mich ebenfalls an Nudeln in meiner Kindheit erinnern. Ich war schon als Kleinkind ein Fan davon. Allerdings kann ich mich nur an Nudeln als Beilage erinnern. Oder eben die damals langsam aufkommende "Pasta Schuta", die über die Alpen aus Italien eingeschleppt wurde.
    Aber das hat ja nichts mit "Regionalität" zu tun.
    Auf die Idee meine ebenfalls über 80jährige Mutter danach zu fragen, bin ich noch gar nicht gekommen.

    Vielen Dank für Deine Beteiligung,
    Gruß, Peter

    P.S.: Trägst Du bitte Deinen Link noch als Kommentar am Artikel in meinem Blog ein?
    Dann habe ich dort alle Links zusammen

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  2. Diese Kombination ist eine lecker - leichtere Variante meiner Linsen mit Speck ,Lyoner und Spätzle. Werde ich gerne ausprobieren ! Danke dafür, viele Grüsse aus Nürnberg, anja

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  3. Das sieht nicht nur lecker aus, dass muss einfach gut schmecken. So lasse ich mit die Kombination von Teigwaren und Linsen gefallen. Ein wundervolles Rezept.

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  4. Das gefällt mir sehr gut, paßt schön zur Jahreszeit, werde ich in den nächsten Tagen nachkochen.

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